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Lokales PZ
14.01.11 17:56 Uhr

Ein Schauspiel in den Fluten der Pegnitz

Von: Julia Ziegler

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Auch Abschleppunternehmer Werner Viehmann (Bildmitte) kann es kaum glauben: Er will gerade den havarierten Audi Q 7 an ein Seil hängen, als ein Corsa-Fahrer die „Furt“ nach Behringersdorf in aller Seelenruhe durchfährt. Am anderen Ufer entschließt sich ein Geländewagen-Fahrer, lieber die Umleitung zu nehmen. Foto: Ziegler
Auch Abschleppunternehmer Werner Viehmann (Bildmitte) kann es kaum glauben: Er will gerade den havarierten Audi Q 7 an ein Seil hängen, als ein Corsa-Fahrer die „Furt“ nach Behringersdorf in aller Seelenruhe durchfährt. Am anderen Ufer entschließt sich ein Geländewagen-Fahrer, lieber die Umleitung zu nehmen. Foto: Ziegler

SCHWAIG — An einer Straßensperre vorbeizufahren ist vielleicht nicht besonders klug – und kostet im Zweifel 15 Euro. Richtig teurer kann es werden, wenn man jenseits der Straßensperre sein Auto in der über die Ufer getretenen Pegnitz versenkt. So geschehen gestern zwischen Behringersdorf und Schwaig – und zwar gleich zweimal. Das Unglaubliche daran: Der Fahrer eines Audi Q 7 sah noch, dass ein eben „abgesoffener“ Mercedes gerade abgeschleppt wurde – und fuhr trotzdem weiter.

Es ist Freitagmorgen um halb neun, ein 71-jähriger Behringersdorfer steigt in seinen Mercedes und will in Richtung Schwaig fahren. Die Straße ist wegen Hochwassers gesperrt. Aber er kennt die Strecke, denkt „wird schon gehen“, und fährt weiter. Doch diesmal geht es nicht – immerhin führt die Pegnitz so viel Wasser wie seit 1995 nicht mehr. An der tiefsten Stelle – hier steht es bis zur Höhe der Leitplanke – geht der Motor aus. Der Mann ruft die 110. „Und dann dauert das erstmal“, erzählt er wenig später, schon wieder zu Scherzen aufgelegt. „Da sitzt du und wartest, und durch die Fahrertür sickert langsam das Wasser“, sagt er und zeigt seinen nassen Hosenboden.

Irgendwann entschließt er sich, auszusteigen – durch die Tür schießt das Wasser ins Auto. Schließlich kommen Polizei und Feuerwehr – Erstere kassiert 15 Euro Strafe von dem Mann. Doch das wird seine geringste Sorge sein, denn das Auto, ein fast neuer Mercedes, ist aller Wahrscheinlichkeit nach ein Totalschaden. Die moderne Elektronik trocknet nicht so einfach.

Das alles aber vergisst der Mann für einige Sekunden, als das schier Unglaubliche passiert. Sein Auto steht gerade auf der schiefen Ebene des Abschleppwagens, zum Abtropfen, unmittelbar vor dem gut knietiefen See, durch den die Straße im Moment führt. Da kommt ein mächtiger silberner Audi Q 7 vorbei. Der Fahrer lächelt dem Mann und dem freundlichen Abschleppunternehmer noch zu – und fährt in die Fluten. Nicht langsam und vorsichtig, nein, das Wasser spritzt links und rechts unter dem großen SUV hervor.

Doch auch dieser schafft die Durchfahrt nicht: Fast genau an der gleichen Stelle, wo noch kurz zuvor der Mercedes gestanden hatte, geht der Audi aus. Auch hier versagt wohl die moderne Elektronik ihren Dienst. Nur ein Rücklicht brennt weiter.

Zu Fuß ging‘s nach Hause

Völlig entspannt steigt der Audi-Fahrer aus, stampft durch das Wasser auf die Staunenden zu und sagt: „Ich wollt‘ euch nur zeigen, dass es geht.“ Nach einem kurzen Gespräch wirft der Audifahrer dem Abschleppunternehmer seinen Autoschlüssel zu – die beiden kennen sich offenbar gut – und läuft nach Hause.

Doch damit haben die Kuriositäten an diesem Vormittag zwischen Schwaig und Behringersdorf noch kein Ende. Noch während die Fahrer der Abschleppwagen damit befasst sind, das zweite Fahrzeug aus den Fluten zu ziehen, kommt ein Lieferwagen. Dessen Fahrer kurbelt die Scheibe herunter und lässt die Umstehenden wissen: „Ich bin da heute schon zweimal durchgefahren – über den Gehsteig gehts“. Und in der Tat. Langsam, aber stetig bahnt sich der Mercedes Sprinter seinen Weg. Gut, denkt man, der ist eben ein bisschen höher und hat nicht so viel Elektronik eingebaut.

Wer allerdings endgültig den Vogel abschießt an diesem Tag ist der betagte Fahrer eines kleinen Opel Corsa. Er kommt aus Richtung Behringersdorf gefahren. Auch er sieht, dass in der Furt gerade ein Audi Q 7 stecken geblieben ist.

Völlig unbeirrt jedoch setzt der Kleinwagenfahrer seine Fahrt fort. Am anderen Ufer fordert er wild gestikulierend die ihn verdutzt Anstarrenden auf, ihm aus dem Weg zu gehen. Am Behringersdorfer Ufer lässt sich der Fahrer eines richtiger Geländewagen von der waghalsigen Aktion nicht beeindrucken: Dem Fahrer ist das Wasser zu gefährlich, er wendet und sucht einen anderen Weg über die Pegnitz.




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