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Lokales PZ
17.06.10 17:21 Uhr

Renate Hartwig in Lauf: Ein bisschen Staat muss sein

Von: Julia Ziegler

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„Unser Solidarsystem steht zur Disposition“: Renate Hartwig gab mit ihrem Vortrag im Laufer Wollnersaal nicht nur Landrat Armin Kroder (Bildmitte) zu denken.Foto: Ziegler

LAUF — Seit die Bestsellerautorin Renate Hartwig vor einem Jahr zu Gast in der Röthenbacher Karl-Diehl-Halle war, hat sich in ihrem Betätigungsfeld, dem deutschen Gesundheitssystem, einiges geändert – zumindest an der Spitze des Gesundheitsministeriums. Nicht geändert hat sich allerdings die Hartnäckigkeit, mit der die schwäbische Publizistin gegen das System anrennt. Auch am Mittwoch im Laufer Wollnersaal waren ihre Zuhörer begeistert – und schockiert. Im Jahr 2020 fährt von Lauf aus ein Bus ins Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) nach Nürnberg. Und zwar einmal in der Woche. Wer ihn nicht erwischt oder keinen Platz darin findet, hat Pech gehabt: Hausärzte gibt es nicht mehr. Renate Hartwig malt ein düsteres Bild von der Zukunft der medizinischen Versorgung in Deutschland, vor allem in den ländlichen Regionen. Wofür gibt es das sogenannte „Wettbewerbsstärkungsgesetz“, wenn zwischen den Krankenkassen als Körperschaften des öffentlichen Rechts gar kein Wettbewerb bestehen darf? Und warum geben die Kassen dann Unsummen für Werbung aus – die doch viel sinnvoller für die Versorgung der Kranken verwendet werden könnten? Fragen wie diese stellt Renate Hartwig, und sie scheut sich auch nicht, sie ranghohen Politikern, Krankenkassenchefs oder der Kassenärztlichen Vereinigung zu stellen – zum Beispiel jüngst bei Sandra Maischberger in der ARD. Geht die Entwicklung im Gesundheitssystem so weiter, sieht Hartwig die Gesellschaft am Scheideweg: „Unser Solidarsystem steht hier zur Disposition“, sagt sie. „Jung für Alt und Gesund für Krank ist dann Vergangenheit.“ Doch Renate Hartwig gibt noch nicht auf und hat auch eine Lösung parat, wie man gegen die „mafiosen Strukturen“ im Gesundheitssystem vorgehen kann: Patienten und Ärzte müssen „sich solidarisieren“, wie sie es nennt. Deswegen gibt es auf ihre Initiative hin inzwischen 582 Bürger-Patienten-Stammtische in ganz Deutschland, und seit ihrem Auftritt in Röthenbach gibt es auch einen im Nürnberger Land. Sabine Rosenberg, selbst mit einem Eckentaler Allgemeinarzt verheiratet, organisiert ihn, und sie hatte Renate Hartwig auch zum zweiten Mal eingeladen. „Was können wir den tun?“, war schließlich auch die häufigste Frage in der anschließenden Diskussion. Konkret rät Hartwig beispielsweise, beim Hausarzt den sogenannten Hausärztevertrag zu unterschreiben. So signalisiere man immerhin, dass man den niedergelassenen Arzt vor Ort behalten will. Das Problem sei nicht, dass die Versicherten zu dumm oder zu faul seien – sie seien schlicht gezielt desinformiert. So werde beispielsweise am heutigen Freitag, „während wir alle Fähnchen schwenken und Fußball schauen“, „klammheimlich“ die elektronische Gesundheitskarte verabschiedet. Damit kämen wir dem „gläsernen Menschen“ einen großen Schritt näher. Angesichts dieser Prognosen äußerte sich auch Landrat Armin Kroder, der dem Vortrag im Wollnersaal konzentriert gelauscht hatte, zur Gesundheitspolitik. Er verglich sie mit dem öffentlichen Nahverkehr oder der DSL-Versorgung: Dort, wo etwas rentabel sei, sei die freie Wirtschaft der beste Anbieter. Dort aber, wo auch das kleine Dorf, in dem nicht viel zu holen sei, versorgt werden müsse, sei der Staat eben doch der zuverlässigste Partner. Insofern sei er froh, dass die drei Krankenhäuser im Landkreis zum Klinikum Nürnberg gehörten – denn dahinter stehe, zumindest noch, die Stadt Nürnberg und keine Aktiengesellschaft. Auf seine Einlassungen hin hatte der Landrat natürlich prompt eine Beitrittserklärung für Hartwigs Bürgerinitiative „Bürger-Schulterschluss“ in der Hand. „Meine Mutter ist ja schon Mitglied, aber da komme ich jetzt wohl nicht mehr raus“, meinte er dazu schmunzelnd.




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