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12.03.10 19:05 Uhr

Kein Skandal im Turm

Von: Andreas Sichelstiel

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Das Bild "Wollust" des Künstlers Béla Farágo sorgte in Erlangen für einen handfesten Skandal. Im vergangenen September war es bereits in Röthenbach ausgestellt - dort hielt sich die Kritik aber in Grenzen. PZ-Archivfoto

RÖTHENBACH/ERLANGEN - Sind die Katholiken in Röthenbach einfach weniger empfindlich als ihre Nachbarn? Das Gemälde einer nackten Frau mit gespreizten Beinen, das derzeit in Erlangen für viel Aufregung sorgt, hing zuvor einen Monat lang im Turm der Bonifatius-Kirche in Röthenbach. Einen Skandal gab es damals nicht, auch wenn Kritik nicht ausblieb. Die Erlanger hingegen wollen die Nackte in der Herz-Jesu-Kirche jetzt während der Sonntagsgottesdienste verhüllen.

Der Röthenbacher Dekan kann die Aufregung in der Nachbarstadt nicht verstehen. »Das scheint an einzelnen Personen zu liegen», meint Wolfgang Angerer. Er ist Kunstliebhaber. Regelmäßig holt er bekannte Namen in die Pegnitzstadt, den Turm »seiner» Kirche nutzt er dabei als Galerie.

Im letzten Jahr gab es in St. Bonifatius zwei Ausstellungen zum gleichen Thema: »Sieben Todsünden», darauf hatte sich Angerer gemeinsam mit den Künstlern – Manfred Hürlimann und Béla Faragó – und deren Galeristen verständigt. Und vor allem Faragó, der in Nürnberg lebt und schon zahlreiche Preise für seine Arbeit erhalten hat, brachte im September 2009 drastische Bilder mit in den »Kunstturm»: Apokalyptische Reiter und vollgefressene Leiber. Die »Wollust» zeichnete er als nackte Frau, die mit gespreizten Beinen auf dem Rücken liegt, neben ihr zwei Männer mit erigierten Penissen.

In Erlangen hat diese Darstellung – die dort gemeinsam mit den anderen Werken Faragós noch bis 21. März in der katholischen Herz-Jesu-Kirche ausgestellt ist – für Wirbel gesorgt: Die »Wollust» wurde von einer erzürnten Kirchgängerin, die sich in ihrem religiösen Empfinden gestört fühlte, gestohlen. Das Bild ist zwar wieder aufgetaucht, soll aber während der Gottesdienste am Sonntag verhüllt werden.

Angerer steht auch heute noch hinter dem Künstler und seinem Bild. »Ich kann die Wollust ja nicht in eine Ritterrüstung stecken», meint er. Pornografie sei das, was Faragó gemalt habe, nicht – sondern Kunst. »Und es gibt auch eine Freiheit der Kunst». In einem Vorgespräch hatte der Dekan dem Nürnberger Künstler deutlich gemacht, dass er keine bloße Provokation in der Ausstellung wolle. Und nach Angerers Meinung hat sich Faragó daran gehalten.

In Röthenbach löste die nackte Frau im Herbst zwar widersprüchliche Reaktionen, aber keinen Skandal aus. Der Dekan berichtet von einem »Grummeln», aber auf das Bild direkt habe ihn niemand angesprochen.

Eine Rolle mag dabei gespielt haben, dass die »Wollust» in Röthenbach eben nicht direkt in der Kirche, sondern im Turm hing. Der Altarraum, das gibt auch Angerer zu, sei »ein empfindlicher Bereich». Dann erzählt er von einem Leserbrief, der nach der Röthenbacher Faragó-Schau im katholischen Heinrichsblatt erschienen ist. Darin hagelte es Kritik. »Aber das hat eher Solidarität in der Gemeinde ausgelöst», so Angerer. Er ist überzeugt, das Richtige getan zu haben.




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